frühe brettstapelbauten in nagold
Das Haus in der Lembergstraße wurde jedoch, aus Gründen des konstruktiven Holzschutzes und des Brandschutzes zusätzlich innen und aussen verkleidet, so daß bei ihm das Bauprinzip in der Fassade heute nicht mehr ablesbar ist. Im Jahre 1938 dann, wurden aus den Gebrüdern Schühle drei selbstständige Schreinereien, die sich von nun an auf dem Nagolder Markt auch teilweise Konkurrenz machen mussten. Kurz darauf kam jedoch der 2.Weltkrieg, und Heinrich Schühle wurde eingezogen.
Erst nach Kriegsende konnte er versuchen den Betrieb seiner Schreinerei wieder aufzunehmen. Aber schon spätestens 1947 (!) wurde von ihm geplant dafür ein neues Werkstattgebäude am Meisterweg zu errichten.
In den ersten Nachkriegsjahren, in Nagold unter französischer Besatzung, mangelte es jedoch wieder an allem. Jegliche Handelsware war nur durch rationierte Zuteilung auf Marken und Bezugsscheine erhältlich, an das Häuserbauen war eigentlich gar nicht zu denken.
Im Frühjahr 1947 war Nagold zusätzlich von einem besonders schweren Hochwasser betroffen. In solcher Zeit besann sich Heinrich Schühle wieder auf die amerikanische Selbsthilfebauweise. Das Baugesuch für das Werkstattgebäude datiert vom 2.April 1947.
brettstapel detail
Die Dachlatten und Bretter dafür trug man in der Gegend langsam zusammen. Aber woher sollte man die vielen Nägel nehmen, die man für das Zusammennageln der vielen Latten, bei diesem Bauprinzip benötigte? So viele Nägel, wie sie damals durch die erforderlichen "Eisenscheine" nie zusammen gekommen wären. Die Lösung ergab sich dann, wie so oft in dieser Zeit durch ein Kompensationsgeschäft.
Als Gegenleistung für eine Anzahl von Türen, die Schühle damals schon an die Stuttgarter Niederlassung, der auch in Nagold ansässigen Firma Berg&Schmid liefern konnte, wurde die notwendigerweise sehr große Menge an Nägeln eingetauscht, im Baugesuch ist von 60 Kilogramm die Rede, was aber stark untertrieben gewesen sein dürfte.
Die ganze Familie hämmerte mit und innerhalb von 36 Arbeitstagen entstand am Meisterweg 11 aus Dachlatten und Brettern, aber fast ohne Balken, über der Stelle des vorher eingeschossigen Schreinereischuppens, innerhalb von kurzer Zeit ein zweigeschossiges Werkstattgebäude mit Satteldach, und damit auch eines der ersten Nachkriegsgebäude in Nagold überhaupt.
Unmittelbar vor der Währungsreform im Juni 1948 war die Werkstatt fertig, die eigentlich vorgesehene abschließende Verschalung der Fassade konnte aber nie mehr angebracht werden, weil eine kurz darauf erlassene Veränderungssperre für das Gebiet dies verhinderte.