frühe brettstapelbauten in nagold
Das Geld reichte der Gruppe für die teure, mehrwöchige Schiffspassage über den Atlantik. Einer von den jungen Männern hatte Verwandtschaft im Staate New York und damit war dort eine erste Anlaufstelle vorhanden.
Auch in Amerika war es damals allerdings nicht ganz leicht Arbeit zu finden, aber schließlich fand sich doch ein Job.
Nach der Ankunft reparierten sie anfangs Straßenbahnwagen, später konnte jedoch zumindest Heinrich Schühle auch noch in einer Schreinerei arbeiten, wo er dann mit den amerikanischen Holzbauweisen, wohl auch die erwähnte Brettstapelbauweise oder doch zumindest einen ähnlichen Typ kennenlernte.
Schon im Jahre 1924 kehrte Schühle jedoch wieder aus Amerika zurück.
Vielleicht auch weil es in Deutschland für einige Jahre nun etwas aufwärts ging, denn durch die Währungsreform vom 15. November 1923 war das Wirtschaftsleben erfolgreich stabilisiert worden.
Wieder zuhause in Nagold arbeitete Heinrich Schühle zunächst in der Schreinerei der insgesamt drei Gebrüder Schühle mit.
Aber irgendwann etwa Mitte der dreissiger Jahre, kam es dann zu einem kleinen "Kulturtransfer": der Nagolder Schreinermeister Schühle errichtete 1937 in der Nagolder Lembergstraße ein erstes Holzhaus in einer neuartigen Brettstapelbauweise.
Das erste von drei Häusern, die es insgesamt werden sollten.
Im Bereich des Holzbaus war dieses Haus für ihn die erste Möglichkeit etwas von den in Amerika gesehenen Holzbautechniken in Nagold zu erproben und hier auf unsere deutschen Maßsysteme anzupassen.
Das Prinzip dafür, beruhte auf einer extrem ökonomischen Ausnutzung von, sonst für den Hausbau eher ungeeigneten Resthölzern und kleinen Querschnitten, eine Tatsache, die dem Schwaben in Amerika sicher sofort eingeleuchtet hatte.
Darüber hinaus mußte im Vergleich zum massiven Blockbohlenbau, bei gleichen Außenmaßen, auch insgesamt deutlich weniger Material eingesetzt werden.
Außerdem beruhte diese materialsparende Bauweise vor allem auf dem Selbstbau- und Selbsthilfeprinzip und war in der damaligen Form ungeheuer arbeitsintensiv, was jedoch in Zeiten großer Arbeitslosigkeit und nicht ins Gewicht fallender Stundenlöhne keinen Nachteil darstellte.
Bei dem Wandaufbau dieses Hauses wurden damals dann vor allem eine große Menge ganz normaler, liegend gestapelter Dachlatten mit 24x48 mm Querschnitt verwendet, die alle fünf Schichten durch ein verbindendes 14 cm breiten Brett mit einem zweiten Stapel vernagelt worden sind. Zwischen den Stapeln entstand so in der Wand, jedesmal eine kleine Luftkammer, die zusätzlich noch die Wärmedämmwirkung verbesserte.

detailausschnitt wandaufbau werkstatt